Wenn die Stimmung schwankt: Greif zu deinem Notfallkoffer!

First Aid Kit Flat Icon.
Stimmungsschwankungen und depressive Gefühle: Mit Dingen, die dir Freude machen und dich an Schönes erinnern, kannst du ihnen etwas Positives entgegen setzen.

Sei vorbereitet, wenn deine Stimmung mal wieder schwankt und setze ihr deine schönen Erinnerungen, angenehme Sinneseindrücke oder positiv besetzte Dinge entgegen .

Du hast dir für den heutigen Tag viel vorgenommen. Du bist aufgewacht und hattest das Gefühl, nicht aus dem Bett zu kommen. Dir fiel es schwer, in den Tag zu starten, geschweige denn, das Pensum zu schaffen, das du dir vorgenommen hattest. Du dachtest, das du deine Ideen sowieso nicht umsetzen kannst, dass du nie einen anderen Job finden wirst oder die Frau oder der Mann deines Lebens bisher nicht gezeugt worden ist.

Wenn dich Gefühle lähmen

Die Gefühle, die dich so lähmen, offenbaren negative Einstellungen und Glaubenssätze oder Ängste und schlechte Erinnerungen. Da ist ein Kollege, der dir deine Ideen klaut und es schafft, sich besser mit deinem Chef zu stellen. Da ist deine Mutter, die dir immer das Gefühl gibt, die Dinge nicht richtig anzupacken. Da ist deine fixe Idee, dir erst das neue Seidenhemd kaufen zu dürfen, wenn du genug abgenommen hast.

Deine Glaubenssätze kannst du ändern, Erinnerungen kannst du verarbeiten und Ängste abbauen. Weil das häufig Zeit braucht, vor allem mehr als dir morgens vor der Arbeit zur Verfügung steht, kann es dir erst einmal helfen, deine Stimmung in den Griff zu bekommen.

Wenn du es immer wieder erlebst, dass deine Stimmung plötzlich negativer wird, dass du dich melancholisch, mutlos, verloren oder gedrückt fühlst, obwohl du nicht an einer ernsthaften psychischen Störung leidest, kannst du dem relativ schnell etwas entgegensetzen.

Das hast du sicher schon erlebt: Du schleppst dich genervt oder gedrückt durch den Tag bis du plötzlich eine gute Nachricht erhältst. Eine Freundin lädt dich überraschend zum Essen ein. Die Ferienwohnung, die dir zunächst abgesagt wurde, ist nun doch frei. Oder noch größer: Du hast den Job bekommen, für den du dich beworben hast.

Die eigenen Umschaltknöpfe drücken 

Wahrscheinlich ging es dir schlagartig besser. Innere Bilder stiegen auf und die Stimmung wandelte sich zum Guten. Du brauchst nicht zu warten, bis deine Freundin oder eine Personalerin anruft, um dich besser zu fühlen. Pack dir deinen eigenen Notfallkoffer für eine bessere Stimmung, den du in entsprechender Schieflage öffnen kannst.

Besorg dir am besten einen kleinen Karton und gestalte ihn nach deinen Wünschen. Vielleicht hast du auch einen kleinen Koffer? Oder du kaufst dir einfach etwas, das sich dafür eignet. Darin packst du alles, was sehr schnell heitere, angenehme, also einfach alle Gefühle in dir weckt und aufsteigen lässt, die dir guttun.

Die Sinne nutzen

Sinneseindrücke über das Ohr oder die Nase dringen direkt ins Gehirn. Zu hören, dass sich ein Bär nähert oder einen beißenden Geruch, der Gift vermuten lässt, wahrzunehmen, kann das eigene Leben retten. Mach dir diese Eigenschaft deiner Sinne zunutze: Welche Musik stimmt dich fröhlich, lässt dich tanzen und springen? Welcher Duft macht dich wach, inspiriert dich oder lässt dich wohlig entspannt sein? Pack beides in deinen Notfallkoffer.

Auch über deine Haut kannst du dich aktivieren: Kaltes Wasser kann eine belebende und sogar heilende Wirkung haben. Pfarrer Sebastian Kneipp, der die Wasserkur als Heilmittel populär machte, hat sich selbst von einer schweren Lungenerkrankung geheilt, indem er in die eiskalte Donau gestiegen ist. Wenn du es schaffst, nach dem Duschen noch einmal den ganzen Körper mit kaltem Wasser abzubrausen, dann fühlst du dich anschließend wacher und klarer. Beachte aber, dass du immer beim rechten Bein anfängst, dann das linke, schließlich der rechte Arm und danach der linke und erst am Schluss Bauch, Rücken und Kopf. Es ist wichtig, das Herz auf die kalte Temperatur vorzubereiten und sich sozusagen Schritt für Schritt anzunähern. Wenn du beim Abbrausen mit dem kalten Wasser noch den Duft eines dir lieben Duschgels wahrnehmen kannst, umso besser. 

Laufen und Springen: Selbst ein paar Minuten Bewegung setzen Endorphine frei. Diese körpereigenen Hormone lassen Glücksgefühle entstehen.

Bewegung macht es spielerisch

Das Wasser kannst du nicht in deinen Koffer packen. Aber du könntest dir ein Kärtchen mit dem Wort und Symbol für Wasser hineinlegen. Auf diese Weise kannst du dich auch an Bewegung und Sport erinnern. Wer sich nicht gut fühlt, möchte heraus aus diesem Zustand. Mit ausreichend Bewegung folgst du deinen Körperimpulsen und kannst deinen negativen Gefühlen in gewisser Weise entkommen. Da es nicht möglich ist, immer sofort loszulaufen, könntest du Elemente in deinen Alltag einbauen, die beispielsweise eine Bewegung am Arbeitsplatz erlauben. Auf einem Gymnastikball kannst du genauso gut sitzen wie auf einem Bürostuhl. Der kostet nicht viel und du kannst ihn auch in einer kleinen Wohnung nutzen. Hüpf ein paar Minuten darauf herum und du wirst feststellen, dass das die Stimmung hebt.

Hast du mehr Platz und das Hüpfen gefällt dir, dann stell dir ein Trampolin ins Zimmer. Es gibt schon relativ kleine, die so ausgelegt sind, dass du keine hohe Decke brauchst. Beim Hüpfen des ganzen Körpers erlebst du eine gewisse Leichtigkeit und einen Schwung, der dich die Dinge plötzlich anders sehen lässt. Es gibt berühmte Redner, die vor jedem Auftritt aufs Trampolin springen, damit sie in eine dynamische Stimmung kommen.

Hab deine schönen Erinnerungen im Blick

Packe in deinen Koffer Gegenstände, die dich daran erinnern, wer dir wichtig ist, wem du wichtig bist, was du schon erreicht hast, wann du glücklich warst oder etwas, das dich auf andere Gedanken und damit zu besseren Gefühlen kommen lässt. Das können Fotos, kleine Gegenstände, Souvenirs aus anderen Ländern, vielleicht sogar eine Badehose oder ein Bikini sein.

Stelle deinen Koffer dorthin, wo du ihn im Blick hast und schnell auf ihn zugreifen kannst. Für unterwegs oder am Arbeitsplatz kannst du deinen Koffer minimieren und virtualisieren. Leg dir beispielsweise kleine Gegenstände in deinen Schreibtisch, die dich umstimmen können oder lade dir die Musik, die dir guttut, auf dein Smartphone.

Einen guten Weg, die eigene Stimmung relativ schnell aufzuhellen, sind besonders auch Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung von Edmund Jacobson oder das Autogene Training von Johannes Schultz. Nach einer Zeit von zirka zwei Monaten des regelmäßigen Übens sind die meisten Menschen bereits imstande, den Entspannungszustand sehr schnell und effektiv zu erzeugen. Jeder, der in diesen Entspannungszustand kommt, erlebt Vertrauen und Freude. Wo Freude ist, können weder Angst noch Unbehagen sein. Dieses Phänomen macht man sich längst in der Psychotherapie zunutze. Bereits in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat Joseph Wolpe auf Basis der Entspannungsverfahren die systematische Desensibilisierung entwickelt. Das ist ein psychotherapeutisches Verfahren, mit dem zum Beispiel Angststörungen behandelt werden.

Nimm dir einfach einmal Zeit und überlege, was dir persönlich hilft, in eine bessere Stimmung zu kommen.

Online oder in der Praxis: Eine Beratung oder Therapie kann dir helfen, dass du dich selbst besser verstehst und du näher mit dir in Kontakt kommst.

Mit Therapie den Stimmungen auf den Grund gehen

Der Notfallkoffer soll dir helfen, dich selbst schneller regulieren zu können, also deine Stimmung wieder nach oben zu bringen. Das bedeutet nicht, dass du nur das für dich tun kannst. Im Gegenteil, eine Therapie oder psychologische Beratung kann dich dabei begleiten, deinen Stimmungen auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was du im Leben wirklich brauchst und welche Wege dir dafür offen stehen. Denn die Stimmungen wollen dir etwas mitteilen über deine Gefühle, deine Wünsche und Sehnsüchte. Depressiv gefärbt sind sie häufig, wenn das Denken über sich selbst zu negativ ist, wenn das eigene Leben zu wenig mit einem selbst zu tun hat oder auch, wenn etwas Wichtiges, zum Beispiel eine Liebesbeziehung, darin fehlt.

 

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